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Übernahme eines Hundes aus dem Tierschutz

Mit 15 hatte ich eine Blasenentzündung. Da habe ich einfach zu lange auf dem kalten Boden gesessen. Arzt, Antibiotika und wieder gesund. Mit Anfang 20 kam der Lippenherpes. Stress während des Examens. Apotheke, Zovirax und wieder normale Lippen. Ende 30 war blöd. Erkältung, Bronchitis und wegen akuter Atemnot dann sonntags in die Notaufnahme. Allergisches Asthma, nun gut. Selbst entlassen. Am nächsten Tag hat ein freundlicher Arzt mich telefonisch informiert, dass es wohl doch eine Lungenentzündung ist. Arzt, Antibiotika und recht schnell wieder gesund. Und jetzt mit Anfang 40 bekomme ich ernsthaft schon Arthrosebeschwerden im Knie? Aber… so ganz unterm Strich…
Für so viele Lebensjahre finde ich mich noch recht heile.

In einem anderen Land, in einer anderen Zeit, in einer anderen gesellschaftlichen Lage, wäre ich jetzt nicht mehr am Leben. Spätestens die Lungenentzündung hätte mich geschafft. Hätte ich in den letzten 25 Jahren tagtäglich 12 Stunden hart auf dem Feld geschuftet, würde es mir anders gehen. Hätte ich die letzten 40 Jahre nichts, wenig oder nur einseitige Kost zu mir genommen… Hätte ich die letzten 40 Winter in einer zugigen Hütte auf hartem Boden verbracht. Ja, was wäre … „wenn es so hätte“.
Was genau kann ich erwarten, wenn ich einen Hund aus dem Tierschutz ein neues Zuhause gebe? Egal, ob Ausland oder mit suboptimaler Vergangenheit aus hiesigen Landen.
Ich arbeite seit über 20 Jahren mit (körperlich) kranken Hunden. Und nicht wenige tragen ein großes Päckchen mit sich herum. Und das sind NICHT vorrangig die älteren, vernachlässigten Tiere aus dem Tierschutz. Eine Erkrankung der Hüfte verhindert nicht, dass der Hund zusätzlich blind ist/wird, die Wirbelsäule ebenfalls kaputt geht, ebenso wie die Ellenbogen, das Herz, die Leber (…).
Was erwarten wir? Warum müssen Hunde bis ins hohe Alter gesund sein und bleiben. Wie geht es Ihnen? Mit 20, 40 und älter?
Immer heile, immer fit?

Wenn ich nun ein Tier aus dem Tierschutz übernehme.
Was erwartet mich dann? Eine Wundertüte.

Wie alt ist das Tier. Genetik. Konstitution. Vorherige Lebensumstände. Unfälle. In einem Tierheim oder auch in einer Pflegestelle können schlicht und ergreifend einige Probleme des Tieres unbemerkt bleiben. Für umfangreiche tierärztliche Untersuchungen ist zum einen nicht unbedingt ausreichend Geld vorhanden, zum anderen ist in anderen Ländern auch die Möglichkeit der Diagnostik nicht so umfangreich gegeben.
Neben unserem bestehenden Rudel, werden wir in Kürze „krank und alt Nummer 4“ innerhalb von 2 Jahren adoptieren. Zwei Abschiede in 4 Monaten sind eigentlich zu viel. Eigentlich sind auch die Tierarztkosten nicht unbedingt ein Schnäppchen. Eigentlich waren auch die letzten Monate emotional belastend. Ja eigentlich.
Nummer 4 ist klein, blind, alt und inkontinent. Die Inkontinenz ist nicht schön. Aber ich habe Wahrscheinlichkeitsrechnungen aufgestellt. Wahrscheinlichkeit Nummer 1: unerkannte Blasenentzündung, Antibiotika, gesund. Wahrscheinlichkeit Nummer 2: Wirbelsäule nicht i.O., schauen wir mal was noch geht. Wahrscheinlichkeit Nummer 3: ein bösartiges Geschehen.
Da ich Zwerg aber schon 4 Monate beobachte, ohne Zustandsverschlechterung: unwahrscheinlich. Wahrscheinlichkeit Nummer 4: Etwas anderes, was meine Tierärztin diagnostiziert.

Was bedeutet das jetzt alles unterm Strich?
Es gibt keine Garantien. Weder 3 Monate noch 2 Jahre. Kein Vermittler und kein Tierheim unterschreibt eine Gerätegarantie.
Wie auch, es ist ja ein Lebewesen. So wie Du und ich.
Jung und agil heißt nicht, zehn weitere Jahre gesund. Alter Hund bedeutet nicht zwingend horrende Tierarztkosten. Aber es kann. Und das ist das Leben. Jedes Tier, jedes Problem wird nach besten Wissen und Gewissen beschrieben.
Manches wird übersehen, nicht bemerkt.

Bevor ich ein Tier adoptiere, in ein neues Leben hole, mich verlieben werde, pflege, tiefstes Glück empfinde, zwischendurch verzweifle, aufgrund körperlicher oder seelischer Erkrankungen, große Zufriedenheit erlebe, weil tagtäglich neue Fortschritte sichtbar sind, tiefe Liebe fühle, dankbar bin für eine gelebte, geliebte Zeit, sollte ich mir Gedanken machen, ob ich bereit bin auch Hindernisse zusammen mit dem Tier zu umschiffen, Rücksicht zu nehmen und Euros in eine tierärztliche Versorgung zu investieren.
© Katrin Vosswinkel – Hundekrankengymnastik

 

 

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Das Futter im Asyl – Wir haben einen Traum

Hund aus Trockenfutter.jpg

Im August 2014, bei unserem ersten Besuch im Asyl, wurde noch altes Brot vom Bäcker eingeweicht mit Trocken- und Dosenfutter aufgefüllt und an die Hunde verfüttert. Da ging es noch um die Quantität. Doch mittlerweile haben die Volontäre auch die Erfahrung gemacht, dass billig nicht unbedingt gut ist. Mit besserem Futter haben die Tierärzte……….(weiterlesen)

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